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Der Weg über die Regenbogenbrücke oder bis
das der Tod uns Scheidet
Sie leben nun schon so
viele Jahre mit Ihrer Katze zusammen, dass sie ein
fester Bestandteil Ihres Lebens geworden ist. Sie gehört
zur Familie, und manchmal wird sie sogar für den
Menschen zum Lebensmittelpunkt. Die gemeinsamen
Erlebnisse, die die Beziehung zueinander vertiefen, die
Stunden voller Kurzweil, Komik und Freude, die
Atmosphäre der völligen Entspannung beim Streicheln und
Kuscheln mit dem Vierbeiner, der mit seinem Brummeln und
Schnurren die Behaglichkeit der Situation noch
unterstreicht.
Dieses gegenseitige Um- und Miteinander ist für Mensch
und Tier eine Bereicherung, zumal die Katze auch in der
engeren Beziehung immer noch ihre Eigenständigkeit
bewahrt und sich schwer domestizieren lässt. Auch wenn
das Zusammenleben manchmal durch Krankheit getrübt wurde
und Kummer und Sorgen überwogen, die Tierarztrechnungen
in astronomische Höhen gingen, fühlten Sie sich
jederzeit für Ihr Tier verantwortlich, waren froh, wenn
es wieder gesund war , und haben Ihre Wahl, sich für Ihr
Leben mit der Katze entschieden zu haben, nie bereut.
Alle diese Gemeinsamkeiten vertiefen und verstärken die
gefühlsmäßigen Bindungen zueinander, und der Mensch lebt
in der Illusion, es könne immer so weitergehen. Aber das
ist ein schmerzlicher Irrturm. Die Zeit, die wir mit
unseren schnurrenden Wohnungsgenossen verbringen, ist
wie alles Leben endlich. So liegt es auch in der Natur
der Sache, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt der
Abschied vom geliebten Vierbeiner im Vordergrund stehen
wird. Die über längere Zeit gewachsene Beziehung wird
dann häufig und unerwartet durch bestimmte Ereignisse
beendet, aber auch eine längere Krankheit, die die
Möglichkeit der etwas besseren Vorbereitung auf das
Unvermeidliche bietet, hat ebenfalls am Ende Abschied
und Tod zur Folge.
Und der vom Tier verlassene Mensch steht mit einem
großen Wust an Gefühlen, denen er sich häufig hilflos
ausgesetzt fühlt und die ihn total überfordern, meist
alleine da. In einer Gesellschaft, in der das Sterben
von Menschen als Tabu- Thema häufig noch ausgegrenzt
wird, Alte und Kranke ja auch überwiegend in
Krankenhäusern und Altenheime abgeschoben werden, löst
die Trauer über ein Tier oft ein hilfloses Lächeln oder
vermeintlich gute Ratschläge aus - wobei eben Ratschläge
häufig auch nur Schläge sein können, wie das Wort schon
sagt.
"Fürs Tier ist es doch gut so gewesen" oder "Es musste
nicht mehr leiden" oder "Es gibt doch so viele arme
Katzen, hol' dir doch ne neue" oder ... oder. ..oder...
bis hin zu Unverständnis und ungeduldigen Äußerungen,
die meistens spezifische Unsicherheiten der Situation
gegenüber aufzeigen oder auch nur das unsensible
Verhalten des Gegenübers offenbaren.
Ein paar Tränen, ein wenig Traurigsein ist in Ordnung
und wird auch akzeptiert - alles darüber hinaus
verprellt die Umwelt eher und wird nicht verstanden. Und
was Mensch nicht versteht, bereitet häufig Unbehagen?
und das Gefühl wird dann mit Ungeduld entnervt abgetan
und zeigt sich in entsprechenden Reaktionen. .
Sie, die Sie den Verlust Ihrer Samtpfote beklagen,
stehen dann da, unverstanden, und fangen dann ob dieser
Reaktionen mit eigenen Schuldzuweisungen an.
X.
Ich sollte mich wirklich nicht so anstellen
X. War ja nur ein Tier und kein Mensch
X. So vielen Menschen geht es schlecht, und ich
jammere hier rum .
X. Ich kann es mir nicht leisten, mich so schwach
und hilflos zu zeigen .
X. Ich muss mich jetzt disziplinieren, die Zähne
zusammenbeißen und durch.
Verändern oder gar
verbessern wird sich dadurch Ihre Gefühlslage nicht Ihre
Traurigkeit sollten Sie nicht ins Unterbewusstsein
verdrängen, meist kommt sie auf viel subltilere Art
wieder zum Vorschein - und Tabletten und Alkohol sind
allemal die schlechtesten Tröster in der Not. Gefühle
mit Gewalt zu verdrängen, mag zwar kurzfristig
funktionieren, aber wenn Sie selbst nichts mehr
empfinden, sind Sie innerlich tot, und was kann Sie in
Ihrem Leben dann überhaupt gefühlsmäßig noch erreichen?
Am hilfreichsten ist es, Sie stehen zu Ihren Gefühlen
und lassen sie zu. Nehmen Sie sich Ihre ureigenste,
individuelle Zeit zum Trauern, die Sie für sich
brauchen; es ist Ihr ganz persönlicher Verlust, und
gestehen Sie sich ruhig die verschiedenen Phasen des
Traueros zu.
Abschied in Ruhe und
Frieden
Nach
Möglichkeit sollten Sie einen angemessenen Rahmen
wählen, sich von Ihrem Tier zu verabschieden. Es bietet
sich an, Ihre Katze vom Tierarzt ruhig noch einmal mit
nach Hause zu nehmen, wenn sie nach einer Operation
verstorben sein sollte. Eine Einschläferung lassen Sie
immer in Ihren Annen vornehmen, so sind Sie bis zum
letzten bewussten Atemzug Ihres Tiers dabei, geben ihm
Vertrauen und Sicherheit. Häufig ist auch Ihr
persönlicher Tierarzt bereit, zu Ihnen nach Hause zu
kommen, und Ihre Katze kann bis zuletzt in der
vertrauten Umgebung bleiben.
Sollten Sie noch die letzten Stunden oder Tage mit Ihrem
Tier verbringen können, nutzen Sie die Zeit zum Reden
und Schmusen; reden Sie ruhig über Ihre gemeinsamen
Erlebnisse (auch die, wo Sie sich mal ins Unrecht
gesetzt hatten). Verzeihen ist immer möglich, und auch
das Eingeständnis, dieses kleine Wesen so unendlich zu
lieben, so dass Sie gar nicht wissen, wie Sie ohne es
zurechtkommen sollen. Ihre Katze wird Sie verstehen.
Dies alles ist auch möglich, wenn Ihr Liebling schon
verstorben ist; die ersten Stunden nach dem Tod ist die
Seele Ihres Tiers sowieso noch bei Ihnen.
Um so wichtiger und hilfreicher ist die Besinnung für
Sie und Ihren Abschied dann, wenn der Vierbeiner durch
Gewalt aus dem Leben gerissen wurde wenn Sie ein von
Autoreifen überrolltes lebloses, blutiges Fellbündel vom
Asphalt holen müssen, wenn von einem übereifrigen
Nachbarn die Leiche schon der Abfalltonne übergeben
wurde; wenn Sie Wochen nach dem Verschwinden Ihres
Lieblings erfahren, wo irgendwann eine tote Katze
gefunden wurde, auf die die Beschreibung der Vermissten
passt.
Zum Schmerz des Abschieds gesellt sich der Schock, der
alles erstickt. Nehmen Sie sich die Zeit, zur Ruhe zu
kommen. Auch hier gilt: Lassen Sie sich nicht
vorschreiben, wie Sie mit diesem Schlag fertig werden
sollen. Sie können vielleicht eine Blume an den Platz
legen, wo Ihre Katze dem Verkehr zum Opfer fiel, Sie
können die Wege abgehen, die Ihr Liebling vermutlich als
Letztes genommen hat, Sie können die Gegend mit seinen
Augen be- trachten, wie er sie vielleicht als letztes
genoss.
Sie können versuchen, Ihren Gefährten in Ihren Gedanken
zu spüren, um so einen Weg zu Ihrer Trauer zu finden.
Das Ritual des
Abschieds bestimmen Sie selbst.
Gestalten Sie einen
Platz in Ihrem Zuhause, um bewusst Abschied zu nehmen.
Legen Sie Ihre Katze (oder ihr schönstes Bild) auf ihre
Kuscheldecke oder ihre Lieblingskissen, legen Sie Blumen
dazu, ihr Lieblingsspielzeug, zünden Sie Kerzen an,
suchen Sie die Musik aus, die Sie mögen. Streicheln Sie
Ihr Tier, reden Sie mit ihm, weinen Sie, lachen Sie -
tun Sie das, wonach Ihnen gerade ist - es ist Alles
erlaubt.
Machen Sie es alleine, wenn Sie alleine sein wollen,
oder suchen Sie sich Menschen, die Ihnen sehr nahe
stehen. Und wenn ein Freund ihnen etwas zu Essen
vorbeibringt, ist es auch wohltuend. Er muss nicht
unbedingt mitweinen, manchmal ist ein einfaches
Präsentsein und Schweigen auch sehr hilfreich und
tröstend-
Oft sind es liebe, einfache Worte, die helfen, oder die
Anwesenheit, die die Gewissheit gibt, im persönlichen
Schmerz nicht allein und verlassen zu stehen. Das ist
ein heilsames Gefühl. Auch wenn die Phasen den Umgang
mit dem Verlust lang genug erscheinen lassen. Ihr Tier
unter einem Busch in einem kleinen "Sarg" (es reicht
auch schon die Lieblingsdecke als Hülle) zu begraben,
ist für den Menschen, der die Möglichkeit dazu hat, sehr
schön. So kann er jederzeit Zwiesprache mit seinem Tier
halten, was gerade in der ersten Trauer-Zeit sehr hilft.
Nicht jeder ist jedoch Besitzer eines Gartens,
vielleicht lassen auch bestimmte Verordnungen oder auch
familiäre Zwänge diese Form der Trauerarbeit, der
Bestattung nicht zu - was dann ? In vielen Orten
Deutschlands und sicher auch in Ihrer Nähe gibt es
inzwischen Tierfriedhöfe, auf denen Sie Ihr totes
Kätzchen begraben können. Besuche sind dort jederzeit
möglich - und dort treffen Sie auch andere, mit denen
Sie Ihren Schmerz teilen können Oder Sie suchen eine
private Ruhestätte beispielsweise im Wald - einen Platz,
an den Sie immer wieder zurückkehren können, um sich zu
erinnern. Inzwischen bieten findige Unternehmer - nicht
nur aus Nächstenliebe - auch ein eigenes
Haustier-Krematorium an mit allen dem menschlichen
Bestattungsritualen entlehnten Utensilien. Dann findet
Ihr Liebling seinen letzten Ruheplatz in einer kleinen
Urne bei Ihnen zu Hause - zu allerdings horrenden
Preisen. 400 Euro und mehr müssen Sie rechnen -
inklusive Abholservice und elegantem Sarg.
Und wie im richtigen Leben lässt sich das auch in zehn
Jahren ansparen. Alles nach der Devise, das Beste ist
doch gerade gut genug für Ihre verstorbene Katze.
Lassen Sie sich da in Ihrem Schmerz nicht übervorteilen;
Sie haben Ihrem Tier zu Lebzeiten schon alles erdenklich
Gute getan, so dass Sie jetzt kein schlechtes Gewissen
haben müssen. Und auch Fehler können Sie an Ihrem toten
Liebling auf diese Art nicht mehr gutmachen
Alltag ohne den
Vierbeiner
Nach dem
körperlichen Abschied holt Sie wieder der Alltag ein -
und Sie haben zu funktionieren und Sie haben vielleicht
auch das Gefühl, die anderen Menschen in Ihrem Umfeld
erwarten von Ihnen, dass Sie sich langsam wieder "normal
" verhalten. Aber genau das ist die problematische
Sache. Wir Menschen sind keine Computer, und deshalb
lassen sich Gefühle nicht löschen oder umprogrammieren.
Sie werden merken: Ihr Tier fehlt Ihnen bei bestimmten
Abläufen im täglichen Leben, Sie werden am Abend, wenn
Sie von der Arbeit kommen, nicht mehr erwartet; die
Kuscheldecke bleibt leer, kein Maunzen ist mehr zu
hören, und Schmusen oder Spielen sind nicht mehr
gefragt. Liebgewordene Zeremonien finden nicht mehr
statt. Tausendfach am Tag wird Ihnen der Verlust
bewusst.
Und auch wenn Sie alles, was Sie an Ihre Katze erinnern
könnte, verbannt haben: Diese täglichen Rituale sind in
Ihrem Kopf, Ihre Erinnerungen sind noch sehr stark, und
diese Erinnerungen lassen sich nicht verdrängen, stehen
weiter greifbar im Raum. Irgendwann sind die Zeremonien
zwar abgeschlossen, aber der Verlust ist immer noch
allgegenwärtig. Schauen Sie sich die Bilder Ihres Tiers
an - eine erfüllte, gemeinsame Vergangenheit kann Ihnen
keiner nehmen, sie bleibt Ihnen erhalten.
Nehmen Sie sich
die Zeit, die Sie für Ihre Erinnerungen brauchen,
nehmen Sie
Ihre Gefühle bewusst wahr, schauen Sie sich Ihren
Schmerz an. Erinnerungen tun gut, helfen heilen. Alles,
was Ihnen bewusst bei Ihrer Trauerarbeit hilft, ist
erlaubt. Es ist Ihr ureigenster Schmerz und Kummer, und
wenn Sie durch dieses Tal des Leids gegangen sind,
können Sie auch loslassen. Und dann haben Sie auch die
Möglichkeit, neue Perspektiven zu erkennen und
umzusetzen. Sie haben die Gewissheit aus der Summe Ihrer
Lebenserfahrungen, dass der Schmerz mit der Zeit weniger
werden wird, obwohl Ihnen das in der konkreten Situation
wenig tröstlich sein wird.
Sprechen Sie mit Freunden und Bekannten - oder sprechen
Sie mit Ihrem Tier, auch wenn es nicht greifbar ist - es
ist in Ordnung.
In Amerika haben sich
Menschen in ihrer ureigensten Not in Selbsthilfegruppen
zusammen- geschlossen, um im Kreis Gleichgesinnter
Verständnis, Anteilnahme, Mut und Trost zu finden und
ihre Trauerarbeit im geschützten Rahmen fortsetzen zu
können. Wenn Sie im Internet surfen, werden Ihnen
Gruppen mit Menschen begegnen, die wie Sie leiden und
Ihnen Trost und Mitgefühl geben können.
Gerade das Märchen von der "Regenbogen-Brücke", das im
Tod nicht das absolute Ende sieht, könnte Sie zur
Besinnung einladen; ist Ihnen der Gedanke eines Lebens
nach dem Tode nicht fremd und liegt das durchaus in
Ihrem Vorstellungsbereich, so kann Ihnen dieser Text
ungeheuer hilfreich sein. Aber auch wenn ein Leben nach
dem Leben auf einer anderen Ebene nicht vorstellbar ist,
können Sie die Regenbogen-Brücke vielleicht als das
sehen, was sie auch sein kann ...ein zeitloses Märchen
eben. Märchen nämlich hatten zu allen Zeiten ihre
Berechtigung und wurden und werden mit ihrer Mystik und
vielschichtigen Deutungsmöglichkeit häufig zu
Lebensbegleitern.
Alles was hilft,
heilt...
Wir Menschen erleben
und erleiden unsere Lebenskrisen individuell - und der
Umgang damit ist ebenso einzig-artig. Und so wird es
auch Menschen geben, die sich nach dem Verlust ihres
Tieres sofort und unmittelbar eine neue Katze ins Haus
holen und sich mit dieser Entscheidung sehr gut fühlen,
und auch sie haben damit optimal für sich gesorgt. Jeder
Mensch muß schauen und erspüren, was für ihn in dieser
schwierigen Situation richtig ist, und auch prüfen und
versuchen, das umzusetzen. Gefühle können nicht
wegdiskutiert werden - sorgen Sie also gut für sich.
Denn wer
sollte es sonst tun?
Quelle: Our Cats 2000
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